← Fachartikel
ESCCAP-Leitfaden|Februar 2015|18 Min Lesezeit

Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen

Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 für die Schweiz — ein umfassender Leitfaden zur Diagnostik, Prävention und Therapie wichtiger Helminthen bei Haustieren.

Original-PDF herunterladen
Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen

Hunde und Katzen in Europa können von einer Vielzahl verschiedener Helminthen (Nematoden, Cestoden und Trematoden) infiziert werden. Diese Empfehlung — eine schweizerische Adaption der europäischen ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 — fasst die wichtigsten Massnahmen zu Diagnostik, Prävention und Therapie zusammen.

1. Individuelle Faktoren

Alter, Nutzung, Haltung, Ernährung und Reisen beeinflussen das Parasitenrisiko massgeblich. Welpen, freilaufende Tiere, Beutegreifer (Jagd, Mäusefang) sowie Tiere mit Auslandskontakt haben ein deutlich höheres Infektionsrisiko und benötigen entsprechend angepasste Präventionsstrategien.

2. Strategische Bekämpfung

Statt pauschaler Routine-Entwurmungen empfiehlt ESCCAP eine individuelle Risikoeinschätzung: Wie häufig hat das Tier Kontakt zu potenziellen Infektionsquellen? Hat es Auslauf? Frisst es rohes Fleisch oder Beutetiere? Lebt es im Haushalt mit Kleinkindern, Schwangeren oder immunsupprimierten Personen? Aus diesen Faktoren ergibt sich entweder eine periodische Entwurmung oder eine befundbasierte Behandlung nach Kotprobenanalyse.

3. Spulwürmer (Toxocara spp.)

Spulwürmer gehören zu den häufigsten Endoparasiten bei Hund und Katze und besitzen ein klinisch relevantes zoonotisches Potenzial (Toxocariasis beim Menschen, insbesondere bei Kindern). Welpen und Kätzchen sind durch pränatale (Hund) bzw. laktogene (beide) Übertragung früh infiziert.

Empfehlung: Welpen ab der 2. Lebenswoche alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach dem Absetzen; danach risikoabhängig (z.B. monatlich bei Tieren mit hohem Expositionsrisiko, vierteljährlich bis halbjährlich bei adulten Wohnungstieren).

4. Bandwürmer

4.1 Echinococcus spp.

Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) ist in der Schweiz endemisch und stellt eine schwerwiegende Zoonose dar (alveoläre Echinokokkose). Hunde und Katzen mit regelmässigem Mäusefang sollten monatlich mit Praziquantel entwurmt werden.

4.2 Taenia spp.

Übertragung über rohes Fleisch und Innereien. Risikobasierte Behandlung bei Tieren mit entsprechendem Fütterungsverhalten oder Jagdkontakt.

4.3 Dipylidium caninum

Übertragung über Flöhe — daher ist konsequente Flohbekämpfung der wirksamste präventive Schritt.

5. Herzwürmer (Dirofilaria immitis)

In der Schweiz nicht endemisch, aber bei Auslandreisen (Mittelmeerraum) relevant. Vor und nach Reisen Beratung durch die Tierärztin / den Tierarzt zu Prophylaxe und Tests.

6. Hautfilarien (Dirofilaria repens)

Ebenfalls reiseassoziiert; zunehmende Funde auch im südlichen Mitteleuropa.

7. Lungen- und Herzwürmer (Angiostrongylus vasorum, Crenosoma vulpis)

Angiostrongylus vasorum tritt regional in der Schweiz auf und kann lebensbedrohliche kardiopulmonale Symptome verursachen. Bei unklarem Husten, Belastungsintoleranz oder Gerinnungsstörungen sollte eine gezielte Diagnostik (Baermann-Larvenanreicherung, Antigentest) erfolgen.

8. Peitschenwürmer (Trichuris vulpis)

Vor allem bei Hunden mit Zugang zu kontaminierten Auslaufflächen. Diagnose über mehrtägige Sammelkotprobe.

9. Hakenwürmer

Übertragung über orale Aufnahme, Hautpenetration oder laktogen. Bei klinischer Anämie oder blutigem Durchfall — insbesondere bei Welpen — abklären.

10. Diagnose: Die zentrale Rolle der Kotprobe

Die koproskopische Untersuchung (Flotation, Sedimentation, ggf. Baermann oder Antigen-Tests) ist die Grundlage der modernen, befundbasierten Parasitenkontrolle. Für aussagekräftige Ergebnisse empfehlen wir eine Sammelkotprobe über drei aufeinanderfolgende Tage, da viele Parasiten ihre Eier nicht kontinuierlich ausscheiden.

11. Resistenzen

Die routinemässige, undifferenzierte Anwendung von Anthelminthika fördert die Resistenzentwicklung — ein Problem, das in der Veterinärmedizin (insbesondere in der Nutztierhaltung) bereits dokumentiert ist und auch bei Kleintieren ernst genommen werden muss. Befundbasierte Behandlung schont Wirkstoffe und Tier.

12. Bekämpfung von Parasitenstadien in der Umwelt

Konsequentes Aufnehmen von Hundekot, regelmässige Reinigung von Katzentoiletten, Vermeidung kontaminierter Auslaufflächen für Welpen sowie thermische Behandlung von Liegeplätzen reduzieren die Umweltkontamination.

13. Prävention zoonotischer Parasitosen

  • Händewaschen nach Tierkontakt und Gartenarbeit
  • Sandkästen abdecken
  • Obst und Gemüse aus dem Garten gründlich waschen
  • Kein rohes Fleisch verfüttern (Risiko von Taenia, Trichinella)
  • Konsequente Entwurmung bei Mäusefängern (Echinococcus)

14. Schulung und Aufklärung

Tierhalterinnen und Tierhalter, Praxisteams und die Öffentlichkeit sind die wichtigsten Multiplikatoren für eine evidenzbasierte Parasitenprävention. Der SVPT engagiert sich für genau diese Aufklärungsarbeit.

Diese Zusammenfassung ersetzt nicht das vollständige ESCCAP-Dokument. Das Original-PDF mit allen Tabellen, Risikofaktoren und Detail-Empfehlungen finden Sie als Download oben auf dieser Seite.

Quelle: ESCCAP Schweiz & Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK-ASMPA), 2. Auflage, Februar 2015